Was ist Ihr persönlicher Blick auf Entrepreneurship?
Für mich ist Entrepreneurship ein Lebensmodell, das klare Ziele beinhaltet und die Fähigkeit voraussetzt Chancen zu erkennen sowie Ressourcen zu erschließen und zu nutzen. Darüber hinaus muss die Bereitschaft bestehen Verantwortung zu übernehmen und Risiken zu tragen.
Was ist das Technologie Coaching Center (TCC) und das Kreativ Coaching Center (KCC) eigentlich?
Beide Center sind Projekte zur Förderung von Unternehmen und Existenzgründungen aus dem technologieorientierten, bzw. kreativwirtschaftlichen Bereich. Die Förderung besteht aus subventioniertem Coaching, für das qualifizierte Experten mit unterschiedlichen betriebswirtschaftlichen Schwerpunkten bereitstehen. Aber auch Qualifizierungsangebote in Form von Tagesseminaren können wahrgenommen werden.
Sowohl das Technologie Coaching Center (TCC) als auch das Kreativ Coaching Center (KCC) erhalten Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und werden von der Technologie Coaching Center GmbH durchgeführt. Diese wiederum ist eine 100%ige Tochter der Investitionsbank Berlin (IBB).
Wie lange gibt es diese Einrichtungen schon?
Das Technologie Coaching Center gibt es schon 13 Jahre, das KCC unterstützt die Kreativwirtschaft seit Anfang 2008.
Was umfasst das Coaching des TCC/KCC genau?
Das Coaching ist ein Beratungsangebot und dient in erster Linie als Unterstützung in betriebswirtschaftlichen Fragen. So können sich Gründerinnen und Gründer, aber auch bestehende Unternehmen z.B. bei der Erstellung eines Finanzplans unterstützen lassen. Im nächsten Schritt könnte der kompetente Coach dann die Finanzierungsmöglichkeiten inklusive der verschiedenen Förderinstrumentarien aufzeigen und anschließend intensiv auf ein Gespräch mit potentiellen Geldgebern vorbereiten. Aber auch zu anderen Unternehmensphasen z.B. beim Wachstum oder bei einer Umstrukturierung kann der “Blick von außen” durch einen Coach sehr hilfreich sein. Inhalte können dann beispielsweise der Vertrieb, das Marketing, die Organisationsstruktur des Unternehmens oder die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems sein.
Wie viel kostet das Coaching den Gründer?
Die ersten beiden Tage, also effektiv 16 Beratungsstunden, sind kostenfrei. Danach beteiligen sich die Unternehmerinnen und Unternehmer mit einem Eigenanteil an den Beraterhonoraren.
Was muss der Gründer leisten, um ein Coaching in Anspruch nehmen zu können?
Da es sich beim TCC und beim KCC um Förderangebote handelt, sind Fördervoraussetzungen definiert. Für beide Projekte gilt , dass das Unternehmen den (geplanten) Firmensitz in Berlin hat und die KMU-Kriterien erfüllt. Darüber hinaus muss für eine Förderung durch das TCC ein innovatives, technologieorientiertes Produkt, oder Dienstleistung entwickelt, produziert und vermarktet werden. Für das KCC steht die kreative Eigenleistung im Vordergrund, die im Unternehmen selbst erbracht werden muss, ein reiner Handel mit kreativen Produkten oder Dienstleistungen reicht hier nicht aus. Vom Gründer bzw. Unternehmer werden eine wirtschaftlich tragfähige Geschäftsidee, kaufmännisches Grundverständnis sowie Kenntnisse von Markt und Konkurrenz erwartet. Ein Rechtsanspruch auf eine Förderung besteht nicht.
Das TCC/KCC bietet auch ein Seminarangebot. Worum handelt es sich dabei?
Die Qualifizierungsmöglichkeiten decken ein breites Spektrum an Fragen aus dem betriebswirtschaftlichen Bereich ab. Neben den “harten” Themen wie das Erstellen eines Businessplans, Vertrieb oder Controlling gehören aber auch “Softskills” wie “Elevator Pitch”, Körpersprache, Schreibwerkstätte oder Kundengespräche zum Angebot. Wir sind auch immer sehr bemüht aktuelle Themen anzubieten, mit denen viele Unternehmen sich vielleicht bisher nur am Rande beschäftigt haben, wie z.B. die Etablierung einer Reichweitenstrategie für Online-Medien.
Wie viel kostet so ein Seminar einen Gründer?
Das hängt davon ab aus welcher Branche die Gründerin oder der Gründer kommt. Der Preis pro Tagesseminar liegt bei 115, bzw. 175 Euro inklusive Catering.
Wie viele Coaches stehen einem Gründer zur Auswahl und was qualifiziert diese?
Beim TCC stehen rund 50, beim KCC 20 Coaches in einem Pool bereit. Diese müssen eine betriebswirtschaftliche und eine technische bzw. kreativwirtschaftliche Ausbildung haben, sowie spezifische Branchenkenntnisse mitbringen. Außerdem muss der Coach mindestens drei Jahre als Geschäftsführer oder in leitender Position und auch schon drei Jahre als freier Berater tätig gewesen sein, bevor er in den Pool aufgenommen wird.
Wie viele Gründer nehmen pro Jahr das Angebot des TCC und des KCC in Anspruch?
Zu den Existenzgründungen zählen bei uns auch schon existierende Unternehmen, deren Gründung nicht länger als drei Jahre zurück liegt. 2009 konnten im Kreativbereich 55, bei den technologieorientierten Unternehmen 179 Gründungen gefördert werden.
Betreiben Sie rückblickende Auswertungen der Zusammenarbeit mit den Coaches und Zufriedenheit der Gründer und was kam dabei raus?
Wir führen jedes Jahr eine Befragung der Coaching-Kunden durch. Auf die Ergebnisse sind wir schon ein wenig stolz, denn die haben 2009 ergeben, dass 93% beim TCC und 85% beim KCC den jeweiligen Coach und 98% das TCC sowie 97% das KCC weiterempfehlen würden.
Wer finanziert das TCC/KCC?
Beide Projekte erhalten Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), die von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen bewilligt wurden. Die darüber hinaus erforderlichen Mittel stellt die Investitionsbank Berlin zur Verfügung.
Wo findet man Sie im Internet? Wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?
Unsere Website heißt www.tcc-berlin.de und ist auch durch viele Verlinkungen auf Seiten relevanter Partner zu finden. Wir freuen uns über Interessierte, die Ihre Anfragen gern telefonisch, per Email unter info@tcc-berlin.de oder über ein Onlineformular auf unserer Website an uns richten können.
Wenn sich ein Gründer in Berlin vernetzen möchte, was würden Sie ihm raten?
Für mich ist der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) die zentrale Plattform zur Herstellung von Kontakten. Sicherlich macht es auch Sinn nach branchenspezifischen Netzwerken zu schauen, diese kann man z.B. bei der IHK erfragen.
Für Teams, die von uns gefördert werden, bieten wir regelmäßig Veranstaltungen zum Austausch und zum Kontakten an.
[Anm.: zum BPW gibt es zwei Artikel: Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg und Interview mit Matthias Haensch von der ILB zum BPW]
Welchen Rat würden Sie einem Gründungswilligem mit auf den Weg geben?
Nehmen Sie am BPW teil oder informieren Sie sich auf den Deutschen Gründer- und Unternehmertagen (deGUT) über die Förderangebote für Existenzgründerinnen und Existenzgründer. Insbesondere die Unterstützungsangebote neben der monetären Förderung können helfen Fehler zu vermeiden.
[Anm.: zu der deGUT gibt es einen Artikel: deGUT – Deutsche Gründer- und Unternehmertage]
Können Sie ein Buch oder eine Website empfehlen?
Als allerersten Anlaufpunkt würde ich die Seite www.gruenden-in-berlin.de empfehlen. Diese soll zum April relauncht werden und bietet eine Sammlung an weiterführenden Informationen, die auch die unterschiedlichen Institutionen in Berlin benennt, bei denen Gründerinnen und Gründer Unterstützung finden können.
Vielen Dank für dieses Interview.


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