Entrepreneurship-Berlin

Ein Blog über Entrepreneurship in Berlin, Deutschland

Interview mit Ines Robbers von creare! StartUp

Donnerstag, 4. März 2010 (Thema: Interview|Tags: )

Was ist dein persönlicher Blick auf Entrepreneurship?

Wir brauchen mehr davon in Deutschland – an Schulen, an Hochschulen und in der Weiterbildung. In Betrieben und in der Verwaltung. Es muss eine kritische Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Entrepreneurship als eine Lebenshaltung geführt werden. Oftmals sitzen in den vielen verschiedenen Existenzgründerseminaren Leute, die lernen, welche Rechtsformen es gibt, was die 4Ps und 5 Forces bedeuten, warum man ein Alleinstellungsmerkmal haben sollte und wie eine Rentabilitätsvorschau erstellt wird – ohne eine Ahnung davon zu haben, was es bedeutet, selbständig zu *sein*. Dieser Ansatz ist nicht nachhaltig und führt häufig zu Frustration, Abbruch des Gründungsvorhaben oder Scheitern des Unternehmens innerhalb der ersten drei Jahre. In der Sensibilisierungsphase für Entrepreneurship (und darin befinden sich die meisten Deutschen) sind Informationen zunächst zweitrangig. Im Fokus stehen vielmehr Werte und Wertereflexion. Es gibt eine ganze Reihe grundlegender unternehmerischer Werte wie Eigeninitiative, die Fähigkeit zur Selbstbestimmung, Kreativität, Selbstbewusstsein, Verantwortungsbewusstsein, Widerstandsfähigkeit und eine Kombination aus Unzufriedenheit und Tatkraft. Die Wenigsten kommen auf die Idee, für sich (und andere) zu sorgen sondern erwarten, dass der Staat oder der Markt einen für sie passenden Job parat hat. So wird das in Zukunft nicht mehr funktionieren, wir brauchen hier dringend einen Paradigmenwechsel. Den verspricht Entrepreneurship.



Was ist creare! StartUp genau?

creare! StartUp ist das Entrepreneurship-Programm mit den Zutaten für die Selbständigkeit: Hand, Herz, Hirn und Humor.
Wir sensibilisieren, motivieren und qualifizieren für die Selbständigkeit als Karrierealternative. Das tun wir auf didaktisch innovative Weise. Viele Unterrichtsmethoden entwickeln wir selbst, Frontalseminare gibt es bei creare! nicht, vielmehr stehen die Teilnehmer im Mittelpunkt, die aktiv und im Austausch mit den anderen an ihren eigenen unternehmerischen Projekten arbeiten.
Wir unterscheiden fünf Dimensionen von Selbständigkeit nach denen die creare! Module aufgeteilt sind:

Profil - Know-why!
Schärfe dein Gründerprofil.
Innovation - Know-what!
Entwickle ein tragfähiges Geschäftskonzept.
Gründung - Know-how!
Eigne dir praktisches Gründungswissen an.
Herausforderungen - Know-when!
Trainiere dein unternehmerisches Gespür.
Unterstützung - Know-who!
Baue dir dein eigenes Netzwerk auf.



Wen wollt ihr als Teilnehmer für euer Programm?

creare! StartUp ist angesiedelt in der akademischen Entrepreneurship Education. Wir richten uns daher vor allem an Hochschulabsolventen und Studierende höheren Semesters mit Wohnsitz in Berlin. Besonders geeignet ist creare! StartUp für Personen mit wirtschaftsfernem Hintergrund.



Wer finanziert das alles und ist es einer Universität zugeordnet?

creare! wird seit 2006 vom Europäischen Sozialfonds gefördert und wurde zunächst durch die TU, seit 2008 durch die FU kofinanziert.



Gibt es dafür einen Schein oder Punkte, die einem im Studium weiterbringen?

Wir haben es versucht aber festgestellt, dass es kein Spaß macht, Teilnehmer im Kurs zu haben, die nur ihre Zeit absitzen, um ein paar credit points zu bekommen. Da wir verstärkt Absolventen ansprechen, gibt es bei erfolgreichem Programmabschluss ein Teilnahmezertifikat.



Was erinnerst du am besten vom bisherigen creare Startup Programm?

Das 5. Berliner Gründertreffen zum Beispiel, das im Q110 der Deutschen Bank stattfand und zu dem rund 80 Gründer kamen – eine tolle Resonanz. Oder unlängst das creare! Symposium zum Thema Gründungsfinanzierung, bei dem wir großartige Referenten, Finanz-Experten und als Höhepunkt Gesine Schwan zu Gast hatten. Eine weitere Veranstaltung fällt mir noch ein: Der Tag für Selbständigkeit 2008, den wir im Roten Rathaus anlässlich unserer Prämierung als ein Ausgewählter Ort im Land der Idee gefeiert haben – Gäste waren hier u.a. Stadtmöblierer Hans Wall und der Gründer der dm-Drogeriemarktkette Prof. Götz Werner.



Wenn du zurückblickst, was ist das Ergebnis des Programms? Haben die Teilnehmer ihre Pläne realisieren können?

Uns geht es nicht darum, wie viele Teilnehmer sich nach Abschluss des Programms tatsächlich selbständig machen. Darauf haben wir einen verschwindend geringen Einfluss, denn eine erfolgreiche Unternehmensgründung hängt immer von zahlreichen, unterschiedlichsten, teilweise auch nicht beeinflussbaren Faktoren ab.
Natürlich freuen wir uns sehr, zu hören, dass es bei dem einen oder der anderen geklappt hat aber noch wichtiger ist uns, dass wir es schaffen, für unsere Teilnehmer neue (auch persönliche) Erkenntnis- und Handlungshorizonte zu eröffnen, ihnen Inspirationen, Mut und Selbstvertrauen mitzugeben, neue Erfahrungen, Kontakte und einen Netzwerkausbau zu ermöglichen. Unser Bildungsauftrag lautet nicht: Mehr Unternehmensgründungen erwirken sondern: Selbständiges, unternehmerisches Denken und Handeln unserer Teilnehmer fördern – wo dies zur Anwendung kommt, ob bei einer eigenen Unternehmensgründung oder im Rahmen einer Anstellung ist dann zweitrangig.



Wo findet man euch im Internet?


www.creare-online.de



Kannst du ein Buch oder eine Website empfehlen?

existenzgruender.de
Jochen Röpke, Der Lernende Unternehmer



Welchen Rat würdest du einem Gründungswilligem mit auf den Weg geben?

Bei creare! StartUp mitmachen! :-)
Und dann: Mit Herz, Hand, Hirn und Humor gründen!



Vielen Dank für das Interview.

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