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Gründerszene DB

Monats-Archive: Mai 2011

Was ist Ihr persönlicher Blick auf Entrepreneurship?

Ich habe zwei, die Vogel- und die Froschperspektive. Aus der Vogelperspektive sind Unternehmer die gesellschaftlich bestimmende Gruppe – ohne ihre Leidenschaft und Selbstbewußtsein geht eine Industriegesellschaft zugrunde. Aus der Froschperspektive ist das Leben als Unternehmer meiner Ansicht nach dramatisch besser als die Existenz in der Zwangsjacke einer Firma, vor allem natürlich in einem Großunternehmen.

Was ist Ihre Geschichte, d.h. wie sind Sie zu Ihrer jetzigen Beschäftigung gekommen?

Ich bin seit Mitte der 90er „im Internet“, bin 2000 mit meinem ersten Startup gescheitert, und seit 2006 endgültig selbständig. 2008 habe ich den Berliner Mobile Monday mitgegründet und präsentiere seitdem die vierteljährlichen Events für die Berliner Mobile-Szene. Im Herbst 2010 lernte ich den Gründer des Founder Institutes, Adeo Ressi, kennen, der damals dringend nach einem Director für das neu zu etablierende Berliner Institut suchte. Und weil ich zu dem Zeitpunkt mit dem MoMo ja schon fast 3 Jahre ein englischsprachiges Tech-Event organisierte und mich einigermaßen intensiv mit der Berliner Tech-Crowd beschäftigte, waren wir uns im Handumdrehen einig. Es half, daß auch die T-Labs – der Forschungsabteilung der Deutschen Telekom – das FI unterstützen wollte. Peter Borchers, der VP des T-Labs Entrepreneurs Programs, ist nicht ganz unschuldig daran, daß es mit dem FI und mir so gut geklappt hat.

Was ist das Founder Institute und wie kam es nach Berlin?

Das FI ist ein viereinhalbmonatiger Startup Accelerator – die beiden Claims „Enabling founders to establish meaningful and enduring technology companies“ und „Globalizing Silicon Valley“ treffen es ganz gut. Teilnehmer müssen tatsächlich inkorporieren, um den Abschluß zu erhalten. Jede wöchentliche Session behandelt ein wichtiges Thema, von der Ideation über Product Development und Rechtliches bis zum Fundraising. Und jede Session wird von drei „Mentoren“ gestaltet, die ihren unternehmerischen Blick auf das jeweilige Thema bringen. Zusätzlich involvieren wir Business Angels und VCs, die sehr konkret einbringen, wie Gründer ihr Geschäft und ihren Pitch „VC-tauglich“ machen.

Ich bin sehr glücklich darüber, daß unsere Mentoren fast ausnahmslos zur Creme de la Creme der deutschen Startup-CEOs zählen. Gerade letzten Freitag kam Heiko Hubertz (bigpoint) aus Hamburg und sprach zum Thema Product Development. Serial Founder wie Burckhardt Bonello oder Michael Brehm sind dabei, „Prominente“ wie Christian Vollmann oder Heiko Rauch von zanox.de – wer sich ein bißchen in der deutschen Tech-Szene auskennt und sich unser Mentoren-Lineup anschaut, wird staunen. Zusätzlich zu den deutschen Mentoren fliegen wir jedes Semester eine Anzahl U.S.- und europäischer Mentoren ein. Nächsten Freitag kommt Mixcloud-Gründer Nico Perez aus London, und zu Anfang des Semesters war unter anderem EyeFi-CEO Ziv Gillat am Start. Wobei es hier gar nicht um Name Dropping geht, denn das wirklich Bemerkenswerte ist, wie offen, direkt und hilfsbereit all diese Mentoren sind, wenn es darum geht, den Foundern weiterzuhelfen.

Wie das FI nach Berlin kam: Das FI ist, anders als ycombinator oder Techstars, keine US-zentrische Unternehmung. Anstelle Unternehmer aus aller Welt in die USA zu lotsen, geht das FI dahin, wo es vor Ort ein lohnendes unternehmerisches Ökosystem gibt. Mittlerweile gibt es das FI in 17 Städten, darunter Bogota und Santiago de Chile. Und da Berlin das Startup-Epizentrum in Deutschland ist, hatten Adeo und sein Mitstreiter Oliver Hanisch (ehemaliger Snipclip-Gründer, jetzt aktiv in Palo Alto als Verbindungsmann zwischen deutschen Unternehmen und der Valley Tech-Scene) die Hauptstadt schon früh als Standort im Visier – und haben das dann im Laufe des Jahres 2010 etabliert.

Was muss ein Gründer an Eigenschaften aufweisen, um teilnehmen zu können? Was muss er aufbringen?

Anders als andere bewerten wir keine Business Pläne – es geht uns um den unternehmerisch begabten und motivierten Menschen. Teilnehmer können sich sogar ohne ausgeprägte Idee bewerben. Außer dem Willen und der Leidenschaft, ein eigenes Unternehmen zu gründen, muß der Bewerber zum einen für das Programm etwa 15 Stunden/Woche Zeit mitbringen und zum anderen die Semestergebühr von 900 Euro, plus eine Gebühr von 40 Euro für den Eingangstest. Weiterhin muß er, wie gesagt, darauf eingestellt sein, zu einem bestimmten Zeitpunkt im Semester eine UG oder GmbH zu gründen. Und sich auf das langfristige Business Model des FI einlassen: Jeder Teilnehmer gibt 3,5% seines Unternehmens in einen Option Pool. Dieser Pool wird unter drei Parteien verteilt: dem Founder Institute, den Semester-Mentoren, und den Teilnehmern untereinander. Auf diese Weise sind die Mentoren nicht nur Ratgeber, sondern Stakeholder in den neuen Unternehmen, und am Ende des Semesters gehen nicht Einzelgründer, sondern ein Jahrgang von am gegenseitigen Erfolg Interessierten ab.

Was bieten Sie einem Gründer als Gegenleistung? Lohnt sich das (für jeden Gründer)?

Die Gegenleistung sind viereinhalb Monate konzentrierte und extrem konstruktive Arbeit am eigenen Unternehmen. Gründer bekommen Zugang zu vielen der erfolgreichsten deutschen Internet-CEOs, können über das FI Kontakte ins „Valley“ knüpfen und mit Hilfe von Angels und VCs Pich und Businessplan erarbeiten. Da alle Mentor Talks und Präsentationen aufgezeichnet werden, kann jeder Teilnehmer auf einen Fundus von hunderten von Videos mit Startup-Rat von den Stars der internationalen Gründerszene zurückgreifen. Viele Graduates sagen aber, daß das Wichtigste und Effektivste die Zusammenarbeit mit den anderen Teilnehmern war – es wird viel in Gruppen gearbeitet, was der Gründung viel von dem knallharten „Ich allein gegen den Rest der Welt“-Geschmack nimmt. Das Ganze lohnt sich sehr für jeden, der vor seiner ersten Finanzierung oder zwischen Uni und Startup steht, oder auch aus seinem existierenden Business ein skalierbares, VC-fähiges Produkt generieren will.

Kann man als angehender Gründer das Geschehen einmal zur Probe erleben?

Ja, absolut. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Sessions für Gäste offen – eine Mail an christoph.raethke@founderinstitute.com reicht.

Ist eine Teilnahme eine Entscheidung fürs Leben? Hat man bspw. dann immer Zugang zur Community?

Ja, in der Tat. Das FI arbeitet daran, von Semester zu Semester mehr für die Alumni zu tun. Diesen Sommer gibt z.B. es den ersten Founder Showcase im Valley, in dem ausgewählte FI-Graduates vor namhaften US-VCs pitchen können.

Wo findet man Sie im Internet? Wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?

Natürlich unter www.founderinstitute.com – wir arbeiten aber auch gerade an einem Portal für das Berliner FI. Lokale Videos davon findet man unter www.youtube.com/user/FIBerlin, und natürlich gibt es auch eine Facebook Page unter http://www.facebook.com/fiberlin. Kontakt am Besten direkt per Mail an mich, christoph.raethke@founderinstitute.com

Welchen Rat würden Sie einem Gründungswilligem mit auf den Weg geben? Können Sie ein Buch oder eine Website empfehlen?

Mach es dir nicht schwerer, als es ist – profitiere von der Erfahrung anderer, sprich mit Leuten, nirgends ist das einfacher als in Berlin. Und was immer du machen willst, sprich so früh wie möglich mit deinen potentiellen Kunden – und sei es auf Basis eines aus Papier ausgeschnittenen Dummies. „Kenne deinen Kunden“ ist das A und O eines Startups.

Was Bücher angeht, ist meine Predigt, daß die Leute nicht immer nur den Kawasaki und die Vierstündige Arbeitswoche lesen sollen, sondern endlich mal wieder was Richtiges! Der neue Franzen („Freedom“) ist groß, das Gesamtwerk von Kurt Tucholsky ist Pflicht, und wenn schon Tech, dann Neal Stephenson („Snow Crash“, „Cryptonomicon“). Lest mal wieder was Anständiges, Ihr Geeks!


Enchantment: The Art of Changing Hearts, Minds, and Actions

von Guy Kawasaki
211 Seiten
Amazon-Link

Leider hat mich dieses Buch enttäuscht. So genial wie The Art of the Start: The Time-Tested, Battle-Hardened Guide for Anyone Starting Anything war, so uninspirirend ist dieses Machwerk.

Hier zitiert der Autor nur immer wieder fremde Inhalte und gibt Rat, den man auch woanders finden kann, wenn man ihn nicht schon gefunden hat. Selbst das bischen, was es zu Social Media zu lesen gibt, enttäuscht. Wenn das Interesse in diese Richtung geht, empfehle ich Engage: The Complete Guide for Brands and Businesses to Build, Cultivate, and Measure Success in the New Web (ja, es wird früher oder später eine Rezension geben). Sollte man an einer positiven Gestaltung des Miteinanders interessiert sein, so empfehle ich How To Win Friends and Influence People.

Fazit: Rechts und Links gibt es also bessere Literatur. Des Autors o.g. altes Werk kann ich jedoch nur wärmstens empfehlen.

Es sind sechs kurze Videocasts frei erhältlich, die 5-15 minütige Mitschnitte aus Vorlesungen über Entrepreneurship in der NetEconomy von Prof. Dr. Tobias Kollmann darstellen.

Fazit: netter kurzer, freier Beitrag zur Gründungslandschaft, aber nicht sehr ausführlich oder bedeutend

2011 findet zum dritten Mal der Ideenwettbewerb netSTART-Award statt, der von Prof. Dr. Tobias Kollmann initiiert wurde. Die First für die Einreichung des drei-seitigen Konzeptpapiers ist der 30.9.2011. Ende Oktober 2011 geht der Wettbewerb zu Ende. Es gibt insgesamt 20.000€ an Bar- und Sachpreisen zu gewinnen. Außerdem werden die drei Besten zum High-Tech Gründerfonds für ein Gespräch eingeladen.

Mitglied der Jury ist u.a. der Chef von Deutsche Startups Alexander Hüsing. Bei Fragen kann man sich an stefanie.skowronek (at) uni-due.de und tatjana.lajendaecker (at) icb.uni-due.de wenden.

Fazit: sicherlich eine interessante Sache, besonders wenn man noch keinen vollen Businessplan hat

Und eine weitere Präsentation über Metriken. Ein 5 Minuten Video der letzten Präsentation ist enthalten. (Diese Präsentation wurde mir neulich beim Founders Institute Berlin empfohlen).


Small Giants: Companies That Choose to Be Great Instead of Big

von Bo Burlingham
268 Seiten
Amazon-Link

Dieses Buch handelt von den kleinen Giganten. Damit sind Unternehmen gemeint, die bewußt entscheiden klein zu bleiben, also nicht schnell zu wachsen. Das Ziel des Buches ist es, diese Handlungsweise als gangbaren Weg für einen Unternehmensführer darzustellen. Der Autor untersucht diesen Sachverhalt, indem er eine Auswahl von 14 amerikanischen, kleinen, erfolgreichen Unternehmen betrachtet und Gemeinsamkeiten finden will. Diese Auswahl ist durchaus vielfältig. So reicht sie von Selima Inc. (eine zwei Personen Mode-Design Firma) bis zu O.C. Tanner (einer Unternehmung mit 1.700 Angestellten und $350 Millionen Umsatz im Jahr).

Es zeigt sich, dass alle diese Unternehmen “Mojo” besitzen. Dazu gehört die feste Einbindung in ihre lokale Gemeinschaft, ihren vertrauensvollen Arbeitsplätzen, ihre intime Verbindung mit den Kunden und schließlich der Leidenschaft der Unternehmensführer für ihr Produkt. Gerade die Einbindung in die Community zeigt den Mona Lisa Effekt. Damit ist gemeint, dass die Unternehmen nur in Verbindung und eingebunden in die Community ihren maximalen Nutzen erreichen.

Das Buch ist mit wenig innerem Zusammenhalt geschrieben und präsentiert einige der 14 Unternehmungen, wobei der Autor zu manchen immer und immer wieder zurückkehrt. Die Schlüsse aus der Betrachtung liessen sich in einem längeren Blogpost zusammenfassen, wenn man die Darstellung der Unternehmen ausschneiden würde. Insofern wäre eine Zweiteilung des Buches nett gewesen, so dass man den Feldreport überspringen hätte können.

Die grundlegende Message des Buches ist es, dass man auch den Weg eines Small Giant gehen kann und dabei Erfolg haben kann. Man muss nicht um jeden Preis wachsen (um dabei sein Mojo zu verlieren).

Fazit: zu langatmig und zu wenig Essentials, um es zu empfehlen

enable2start Deutschlands große Gründerinitiative: Fünf gute Gründer

von der Financial Times Deutschland
80 Seiten
Amazon-Link

Die Wettbewerbsgewinner des zweiten Durchlaufs/Jahres des enable2start Wettbewerbs wurden ein Jahr lang von der Financial Times Deutschland journalistisch begleitet. Dieses DIN A4 Heft ist nun ein Rückblick auf dieses Jahr unter Gründern.

Die Unternehmungen waren wieder sehr unterschiedlich: ein Hanf-Vergnügungspark (hat nicht geklappt), ein Charity-Portal (Merger), das Statistik Portal Statista, die Design-Folien-Unternehmung 123design (mittlerweile insolvent) und die Webstartseite Allyve.

Die Darstellung liest sich gut und es ist journalisitsch knapp dargestellt, was diese fünf Teams gemacht haben. Jedoch erhält man keinen sondlich tiefen Einblick in die Geschäftskonzepte der einzelnen Teams. Jedes Quartal werden echte Zahlen genannt und eine Bilanz am Ende des Jahres gezogen. Die Teams waren unterschiedlich erfolgreich.

Fazit: Als Lesestoff bietet das Heft Einblick in die Hochs und Tiefs des Unternehmertums und macht Lust darauf etwas zu unternehmen.

Es handelt sich um eine Präsentation, die das Thema Metriken im Online Marketing kurz zusammenfasst.

Startup Metrics for Pirates
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